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schadowsun Administrator

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 10.02.2007 Beiträge: 64
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Verfasst am: 10.02.2007, 21:33 Titel: Die Legende vom Tannenbaum |
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Die Legende vom Tannenbaum
(Verfasser unbekannt)
In der Bergpredigt, wie bei Matthäi zu lesen,
Ist auch von Bäumen die Rede gewesen.
Der Heiland hatte gesagt, dass Feigen
Nicht reifen können auf Distelzweigen;
Dass Trauben nicht wüchsen am Dornenhagen
Und dass der Baum, der nicht Früchte trage,
Zu gar nichts wert erscheine auf Erden,
Als abgehauen und verbrannt zu werden.
Und als er geendet, da ist schon bald
Ein Streiten entstanden im nahen Wald.
Die Disteln, welche die Rede gehört,
Waren über die Maßen empört.
Die haben so recht übers Leben geklagt:
"Wir haben schon immer den Eseln behagt!"
Die Dornen reckten die scharfen Spitzen
Und sagten: "Das lassen wir nicht auf uns sitzen!"
Die gelben, aufgedunsenen Feigen
Zeigten ein glattes, blasiertes Schweigen.
Die Trauben blähten sich gar nicht schlecht
Und knarrten geschwollen: "So ist es recht!"
Nur ein kleiner, zierlicher Tannenbaum
stand verschüchtert, rührte sich kaum.
Horchte nicht auf das Rühmen und Klagen,
Hat sich still und bescheiden betragen.
Er dachte und dachte in einem fort
An des Heilands richtendes Wort.
Ihn hatte es ganz besonders getroffen.
Er hatte kein Recht, auf Gnade zu hoffen.
Und als sich nun endlich die Sonne versteckte
Und tiefes Dunkel die Erde deckte
Und ermattet vom Reden und Klagen
Die andern Bäume im Schlummer lagen,
Wollte er nichts von Schlummer wissen,
Hat die Wurzeln aus dem Erdreich gerissen
Und ungesehens, in der stillen Nacht,
Hat er sich still auf den Weg gemacht,
Um nach dem strengen Heiland zu seh'n
Und milderes Urteil sich zu erfleh'n.
Und als er nach mühseligen Stunden
Endlich den lange Gesuchten gefunden,
Und ihm sein Leid recht herzlich geklagt,
Da hat der Heiland lächelnd gesagt:
"Wisse, dass seit Beginn der Welt
Ein jeglicher Fluch seinen Segen enthält;
Und dass nach jedem Segensspruch
Verborgen liegt ein heimlicher Fluch.
Den Trauben brachte nur Fluch mein Segen,
Weil sie jetzt sündigen Hochmut hegen.
Die Feigen haben mir nicht gedankt,
Sie haben sich nur mit den Dornen gezankt.
Die Disteln ließen sich nicht belehren.
Sie konnten den Fluch nicht zum Segen kehren.
Du aber hast Dich besser bedacht,
Du hast aus einem Fluch einen Segen gemacht!
Dein Bittgang sei nicht umsonst gewagt.
Zwar was gesagt ist, das bleibt gesagt:
Dein Schicksal ist nicht mehr zu trennen
Vom Abhauen und Im-Ofen-Verbrennen.
Doch ich will Dich erheben und ehren.
Ich will einen rühmlichen Tod Dir beschehren.
Dich soll kein Winterschlaf traurig umschließen.
Ein doppeltes Leben sollst Du genießen.
Auf Deinen grünen Zweigen
Sollen die herrlichsten Früchte sich zeigen,
Soll man Lichter und Zierrat schau'n, -
freilich erst, wenn Du abgehau'n.
Sei wie ein Held, der für andere leidet,
Der in blühender Jugend strahlend verscheidet,
So dass Dein Leben, das kurze doch reiche,
Meinem irdischen Wandel gleiche.
Du sollst ein Bote des Friedens sein,
Sollst glänzen wie im Heiligenschein.
Den Kindern sollst Du Freude verkünden,
Den Sünder wecken aus seinen Sünden.
Gesang und Jubel soll Dich umtönen.
Mein lieblichstes Fest sollst Du lieblichst verschönen.
So bist Du von allen Bäumen hinieden der Gesegneste.
Ziehe hin in Frieden!" _________________ ***************************
Es braucht kein Buch der Zitate,
um mich daran zu erinnern,
dass die Augen die Fenster
der Seele sind.
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